Solaranlage Speicher nachrüsten: Lohnt sich das?

Inzwischen lassen sich viele Hausbesitzer Stromspeicher zusammen mit Solaranlagen montieren. Doch manche besitzen vielleicht nur eine Photovoltaikanlage, und haben bisher noch nicht über die Anschaffung eines Speichersystems nachgedacht. Stromspeicher können natürlich auch später noch nachgerüstet werden, und bringen einige Vorteile mit sich. Aber inwieweit lohnt sich eine Nachrüstung überhaupt? Hier finden Sie Informationen über Kosten, Voraussetzungen und Vorteile.


Lohnt sich die Nachrüstung eines Stromspeichers?

Ob sich das Nachrüsten eines Stromspeichers tatsächlich lohnt, hängt von einigen Faktoren, Voraussetzungen und Gegebenheiten ab. Allgemein lohnt sich ein Stromspeicher aber allein schon wegen dessen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen.

Wann ist eine Nachrüstung sinnvoll?

Eine Nachrüstung ist dann sinnvoll, wenn die Solaranlage nach 2013 montiert wurde.

Vor 2013

Solaranlagen besitzen eine Einspeisevergütung. Das bedeutet, dass über die Hälfte des produzierten Stroms ans Netz verkauft werden. Das hat vor 2013super funktioniert, immerhin wird die Sonnenenergie ohne einen Speicher nicht ausgeschöpft. Der Strom muss sofort genutzt werden, ansonsten ist er verschwendet.

Wenn die Besitzer am Tag über arbeiten sind, wird die maximale Sonneneinstrahlung überhaupt nicht genutzt, und abends ist natürlich kaum Energie vorhanden. Dafür wird dann auf den üblichen Netzstrom umgestellt, dessen Kosten sich mit dem Verkauf des selbst produzierten Solarstroms komplett ausgleichen lassen. Bei alten PV-Anlagen, lohnt sich ein Speicher also nicht wirklich.

Nach 2013

Doch seit 2013 sind die Vergütungen stark gesunken, und man zahlt nicht nur die hohen Anschaffungskosten der PV-Anlage, sondern auch den größten Teil der Netzstromrechnung. Bei Anlagen, die nach 2013 aufgestellt wurden, ist ein Speicher definitiv sinnvoll. Denn hier kommt es stärker auf den Eigenverbrauch an, da mit dem Verkauf nicht mehr viel eingenommen wird.

Somit wird der selbst produzierte Solarstrom gespeichert und kann jederzeit genutzt werden. Dementsprechend wird weniger Netzstrom benötigt – die Stromrechnung sinkt.

Beste Jahreszeit zum Nachrüsten: Sommer

Wenn man sich für die Nachrüstung eines Stromspeichers entscheidet, sollte man dies am besten im Sommer tun. Im Sommer wird allgemein weniger Strom benötigt, die Heizungen sind auch aus. In der Zeit kann die Montage vollzogen werden, und die Speicher können dann direkt aus der maximalen Sonneneinstrahlung tanken.

Wirtschaftliche Vorteile

Der wirtschaftliche Vorteil eines Stromspeichers ist der Eigenverbrauch. Der selbst produzierte Strom wird nicht mehr ins Netz eingespeist, sondern in den Speichern gespeichert, und steht jederzeit zur Verfügung. Wenn die Besitzer hier also am Tag auf Arbeit sind, wird der gesamte Solarstrom für spätere Nutzung bereitgestellt. Der Eigenverbrauch wird sogar verdoppelt und es wird keine Energie verschwendet.

Ohne Speicher lag der Eigenverbrauch bei 15-30%, – mit Speicher kann dies auf 60-80% gesteigert werden. Dadurch wird weniger Netzstrom benötigt, wodurch weniger Kosten anfallen. Die Einsparung der Stromrechnung gleicht langsam die Anschaffungskosten der Anlage und des Speichers aus, dessen Lebensdauer sehr hoch sind und mit ordentlicher Wartung bis zu über 40 Jahren reichen.

Mit einem Stromspeicher wird man unabhängig vom öffentlichen Stromnetz. Der aus der kostenlosen und umweltfreundlichen Sonnenenergie selbst erzeugte Solarstrom wird also komplett eigens verbraucht. Zusätzlich steigt der Wert der Immobilie durch Photovoltaik.

Ökologische Vorteile

Die Nutzung von Photovoltaikanlagen und Stromspeicher sind natürlich auch ein Beitrag zum Umweltschutz. Durch die Speicher wird keine Energie verschwendet, stattdessen kann sie komplett ausgeschöpft werden. Dadurch wird weniger Strom aus Kraftwerken verwendet, was Ressourcen spart.

Die Herstellung der Anlagen und Batteriespeicher setzt zwar CO2 frei, jedoch gibt es dafür während der gesamten Zeit des Betriebs kaum bis gar keine CO2 Emission. Der erzeugte Strom ist klimaneutral und erneuerbar.

Speicher nachrüsten: Voraussetzungen

Bevor sich jedoch für das Nachrüsten des Speichers entschieden wird, sollten einige Voraussetzungen beachtet werden. Denn ob sich ein Stromspeicher lohnt entscheiden auch die technischen Faktoren. Sind diese erfüllt, steht der Installation nichts mehr im Weg.

Technische Voraussetzungen

Größe/Speicherkapazität des Stromspeichers

Die Kapazität des Speichers muss genau anhand der Größe der Solaranlage und des Energieverbrauchs berechnet werden.

Ist die Kapazität zu gering, wird die Sonnenenergie nicht komplett ausgeschöpft, der Eigenverbrauch erreicht nicht das Optimum, sodass weiterhin mehr öffentlicher Netzstrom bezogen werden muss. Die Kosten für den PV-Speicher werden nicht ausgeglichen, da sich die Stromkosten aus dem öffentlichen Stromnetz nicht genug verringern.

Ist die Kapazität zu hoch, wird der Speicher nicht komplett genutzt. Man bezahlt also für Kapazität, die letztendlich gar nicht gebraucht wird. Auch hier wird der Preisausgleich erschwert.

Modell

An sich funktioniert die Nachrüstung mit fast allen Solaranlagen. Allerdings muss hier das Modell und dessen technische Details beachtet werden, die mit dem Alter der Anlage zusammenhängen. Hat die Solaranlage eine AC oder eine DC Anbindung? Dementsprechend muss ein geeigneter Speicher gefunden werden.

Bei der AC-Anbindung wird der Speicher erst hinter einem Wechselrichter angeschlossen. Das bedeutet, dass der Gleichstrom bereits zu Wechselstrom umgewandelt ist wenn er in den Stromspeicher gelangt. Dies macht den Speicher flexibler und unabhängig von der Photovoltaikanlage, was sich besser zur Nachrüstung eignet.

Bei einer DC-Anbindung dagegen, wird der Speicher unmittelbar hinter die Module montiert, was eine stärkere Wirkung und höhere Leistung erzielt. Dies eignet sich jedoch eher für Neuinstallationen von Solaranlagen mit Speicher, denn beim Nachrüsten kann es sein, dass der Wechselrichter ausgetauscht werden muss, was die Kosten noch einmal zusätzlich in die Höhe treibt.

Alter der Solaranlage

Ein Hindernis sind auch zu alte Anlagen. Bei Solaranlagen, die schon die meiste Zeit der garantierten Lebensdauer hinter sich haben, lässt die Leistung langsam nach. Hier lohnt sich ein Speicher nicht mehr. Es kann sich aber Gedanken über eine zukünftige Anschaffung einer neuen Photovoltaikanlage mit bereits integriertem Speicher gemacht werden.

Was muss bei der Installation beachtet werden?

  • Bei der Wahl deines Stromspeichers sollte die richtige Kapazität gewählt, auf eine hohe Lebensdauer geachtet, und sich die Garantien angeschaut werden. Der Speicher sollte passend entweder AC oder DC Anbindung verfügen. Eine Beratung ist hierbei empfehlenswert.
  • Der Speicher sollte an einem ganzjährig kühlen Ort im Gebäude aufgestellt werden, da bei geringen Temperaturen die Speicherzellen nicht so schnell altern.
  • Die Installation sollte vom Elektriker genaustens dokumentiert werden, um den Aufbau bei späteren möglichen Reparaturen besser nachvollziehen zu können.
  • Das Gerät muss der Bundesnetzagentur gemeldet werden.
  • Der Speicher sollte im besten Fall alle 4 Jahre gewartet werden.

Was kostet die Nachrüstung des Speichers?

Die Kosten einer Speichernachrüstung hängen von der Speicherkapazität ab. Je größer die Kapazität, desto geringer wird der Preis pro Kilowattstunde. Für ein normales Einfamilienhaus werden üblicherweise zwischen 5 und 10 kWh benötigt, was pro Kilowattstunde circa 1.500-2.000 Euro rechnet. Die Anschaffungskosten eines Solarstromspeichers starten also meist bei 10.000 Euro. Natürlich variieren die Preise unter den verschiedenen Anbietern. Es empfiehlt sich immer ein Preisvergleich.

Bei der Nachrüstung kann es dabei noch zu weiteren Kosten kommen, sollte die Anlage oder deren Ausstattung zu alt sein oder nicht über die richtige Anbindung verfügen. In diesem Fall müssen Zubehör, wie z.B. Wechselrichter, neu dazugekauft werden.

Förderung

Doch auch bei der Nachrüstung eines Speichers ist man nicht allein. Die KfW bietet verschiedene Förderprogramme für Geräte zur Nutzung erneuerbarer Energien an, bei denen Kredite für die Geräte aufgenommen werden können – auch bei Nachrüstung.

Steuern

Tatsächlich gibt es einige steuerliche Vorzüge bei der Nachrüstung vom Photovoltaik-Speicher. Jedoch nur, wenn die Anlage über eine DC-Kopplung verfügt, und mindestens 10% des Stroms durch die Einspeisung verkauft werden.


Ob sich die Nachrüstung eines Stromspeichers für den Einzelnen wirklich lohnt, hängt letztendlich von dem Alter der bestehenden Photovoltaikanlage und deren Einspeisevergütung ab. Für die Umwelt lohnt sich ein Speicher aber definitiv.

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Sportbegeisterter Familienvater. Bevor wir dieses Portal ins Leben gerufen haben, war Ich selbst 7 Jahe lang als Solarinstallateur tätig. Ich glaube fest an das Potenzial von Photovoltaikanlagen und hoffe dich in meinen Beiträgen ebenfalls dafür zu begeistern!